Bombenterror beim Boston Marathon

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Mach mal Halblang! - Lufthansa HM 2013

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Verglichen mit der demütigenden Erfahrung bei meinem ersten Lufthansa Halbmarathon im Vorjahr habe ich dieses Mal die richtige Taktik gewählt. Anstatt mich zu weit vorne einzureihen und dann während schier endlosen 21 Kilometern immer weiter nach hinten durchgereicht zu werden, habe ich es gestern genau anders herum versucht. Im letzten Block, der erst gute achtzehn Minuten nach den Elite-Läufern auf die Strecke geschossen wurde, stand ich ganz hinten.

Zwischenzeitlich überkam mich zwar die Angst, im Falle eines kurzzeitigen Ausscherens aus dem Feld aufgrund einer physischen Zwangslage mit einem Mal allein zu sein, doch es hat sich durchaus gelohnt, diese Angst auszuhalten (zumal sie unbegründet war, denn nicht bei allen Tätigkeiten bin ich so langsam, wie beim Laufen...).

Auch wenn meine Netto-Zielzeit mit 02:08:45 nur um ein kleines Minütchen schneller als das Ergebnis in 2012 war; hatte ich von Anfang bis Ende des Rennens ein gänzlich anderes Laufgefühl. Ruhiges Finden der eigenen Pace und von Kilometer zu Kilometer eine leichte aber stetige Steigerung des Tempos. Dazu Spaß am Laufen, genug Luft in den Lungen und nach hinten noch eine Menge Power in den Beinen, um auf dem letzten Kilometer noch einmal einen echten Zielspurt hinzulegen: 5,15 min/km sind für meine Verhältnisse eine wirkliche Sprint-Pace und so über die Ziellinie zu fliegen vermittelt einfach ein rundweg gutes Gefühl.

Die verbrannten Kalorien wurden binnen kürzester Zeit ergänzt - man weiß ja, was man sich schuldig ist. Da es beim Lufthansa Halbmarathon weder Finisher-Trikot noch Medaille gibt - was nicht allein dabei hilft, das Startgeld angesichts der spitzenmäßigen Orga geradezu spottbillig zu halten, sondern darüber hinaus aus Gründen der Nachhaltigkeit oder des Umweltkonzepts durchaus zu begüßen ist - überreichte ich mir selbst ein paar Kristall(Weizen)Pokale. Diese nehmen keinen Platz in der Vitrine weg und müssen auch nicht abgestaubt werden (höchstens abtrainiert, was ja nicht das Schlechteste ist).

Besser als Pokale und Medaillen sind ohnehin die Erinnerungen - unterstützt von ein paar fotografischen Impressionen. Spätestens 2014 werden wieder halbe Sachen gemacht, soviel ist sicher.

Irgendwo nach der Hälfte der Halbdistanz:

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Nicht mehr weit vom Stadion entfernt im Stadtwald:

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Ganz am Ende:

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...und absolut zufrieden!

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Glückwunsch an Andy G. für die super Premiere mit eindrucksvollen 01:41:01!

Tre Stagioni: Jahreszeitenwechsel auf Vulkaneifel-Trails

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Ein Kurzurlaub, den mir meine Angetraute spendiert hat (stets ideenreich ohne Vergleich), führt uns familiäres Dreigestirn in einen Center Parc in der Vulkaneifel. In Anbetracht der läuferischen Herausforderungen dieses noch jungen Jahres (davon wird noch zu berichten sein), ist klar, dass ich die Zeit auch für ein paar ausgedehnte Trainingsrunden nutzen werde - nicht annähernd so fix, wie die Sportskollegen auf dem nahen Nürburgring, dafür aber umweltschonender und auf überwiegend unbefestigten Wegen.

Für den ersten Eifel-Trail nehme ich mir eine der Wanderrouten vor. Hochkelberg-Panoramapfad klingt nach wadensprengenden und ruhmreich zu bezwingenden Steigungen nebst ordentlich was zum gucken. Also packe ich es an. Vom Ferienpark geht es hinab ins Dörfchen Gunderath und vom Ufer des nahegelegenen Heilbachsees in weiten Schwüngen bergan. Neben den abwechselnden Kulissen - den Wäldern, Weiden und beschaulichen Weilern - wird der Reiz des Cross-Country-Laufs vor allem dadurch immens gesteigert, dass sich drei Jahreszeiten um die Vorherrschaft balgen. Es ist frühlingshaft warm, auf weiten Teilen der Strecke liegt dessen ungeachtet noch reichlich Schnee und Sonnenlicht auf braun belaubten Ästen weckt Erinnerungen an den letzten Herbst.

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Mit den Jahreszeiten wechseln auch die Untergründe jäh ab. Akustisch am eindrucksvollsten ist der dicke, verharschte Schnee auf grobem Schotter. Unterhalb des Schnees hat sich Tauwasser Bahn gebrochen und einen Hohlraum geschaffen. Bei jedem Schritt sinkt die Schneedecke ein paar Zentimeter ab und es entsteht zeitversetzt ein zweites, dumpfes Trittgeräusch. Fast klingt es, als wäre mir etwas Großes und Schweres unmittelbar auf den Fersen. Bigfoot, Rübezahl (falsche Gegend), Grüffelo, übergewichtiger Sittenstrolch auf Schneeschuhen???? Ich ertappe mich zweimal beim Drehen des Kopfes, zumal in der Höhe die menschlichen Fußabdrücke weniger, die der zwiegespaltenen Wildschweinklauen dagegen sehr viel mehr werden. Ich bin auf Schweineland. Wahrschau!

Im dichten Fichtendickicht begegne ich einem Jäger mit geschulterter Bock-Doppelflinte. „Hallo, bin ich noch auf Wanderroute 34?“ - „Ach herrjeh… (Übersetzung: Hast du Depp nichts besseres zu tun und zu fragen?)“ - „Den Spuren nach hat‘s hier massig Schwarzwild, haben die schon Frischlinge? Ist es gefährlich…?“ - „Die ersten sind schon da, aber so lang sie die Bache nicht in die Enge treiben…“ - „Waidmannsheil!“ - „Waidmannsdank!“. Insgeheim hoffe ich, dass die Bachen nicht auf die Idee kommen, mich Nicht-mehr-ganz-so-frisch-Ling in die Enge zu treiben. Wer bereits 12,5 Cross-Kilometer in profiliertem Terrain in den Waden hat, flieht und klettert nicht mehr allzu geschwind. Glücklicherweise kreuzen heute nur Rehe meinen Weg. Die Sauen  suchen sich wahrscheinlich fettere und leichter zu stellende Beute auf den diversen Routen des Nordic-Walking-Parks.

Höchster Punkt der Tour ist der Hochkelberg - obenauf fast vollständig militärischer Sicherheitsbereich und zudem von Pluto aus dem Urfeuer geschaffen. Die Eifel ist ein Vulkanmassiv, das nur mal eben ein kleines Nickerchen macht. Erst 10.000 Jahre seit dem letzten Ausbruch. Als ich die letzten Höhenmeter durch Schneematsch und aufgeweichtes Erdreich bis auf den Gipfel des Hochkelbergs mehr krieche als laufe (natürlich auch um mich trailmäßig einzuschlammen wie eine kapitale Wildsau), bin ich mir sicher: das einzige, was hier heute ausbricht, ist mein Schweiß. Tatsächlich finde ich auf dem höchsten Punkt eine kraterartige Vertiefung und auch meine Poren sind kraterartig geweitet. Vulkaneifel-Feeling pur. Ich steige auf eine grobe Holzbank und lasse aus salzverkrusteten Augen den Blick in die Weite schweifen. Wow! Der halbe Kilometer Steilhang hat sich mehr als gelohnt. In den Sommermonaten muss das Panorama atemberaubend sein (heut ist mein asthmatische Röcheln vor allem dem Anstieg geschuldet).

Als ich wieder an unserer niederländisch-spartanischen Hütte im Center Parc ankomme, liegen knapp 16 Kilometer abwechslungsreichen Geländelaufens hinter mir. Der zweite Run zwei Tage später steht dem in nichts nach. Ob die Bergtour positive Spuren hinterlassen hat, wird sich morgen zeigen: Am 10. März beim diesjährigen Lufthansa Halbmarathon in Franfurt.

Mit Training Lab auf neuen Wegen zur Quantifizierung des Seins

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Dem berühmten deutschen Philosophen Kant zufolge, wird unsere gesamte menschliche Erkenntnis durch basale, begriffliche Formen des Denkens strukturiert, die der kluge Königsberger Kategorien nannte. Was nicht durch die Begriffe der Qualität (etwas Bestimmtes Sein), Quantitat (eine bestimmte Menge von etwas Sein), Relation (etwas im Verhältnis zu etwas anderem Sein) und Modalität (etwas in bestimmter Weise Sein)  immer schon bestimmt ist, ist für den Menschen schlichtweg kein Gegenstand, den er erfahren kann.

Soweit das philosophische Vorspiel zum Menschen als Mensch - nun zum Menschen als Läufer.

Für Menschen die Laufen, zählt von diesen Kategorien vor allem jene der Quantität. Läufer - und auch ihre multisportlichen Artgenossen wie Tri- und Duathleten - tendieren dazu, alles, was sie sind, in zählbare Größen umzuwandeln. Wer auf die Frage: „Wie war dein Lauf?“ mit „Entspannt. Ich war so ungefähr eine Stunde bei schönem Wetter im Park“ antwortet, ist ein Jogger. Der Läufer, der diesen Ehrentitel mit Fug und Recht beansprucht, druckt dem Fragenden ein Excel-Sheet mit den circa 25 wichtigsten Parametern aus. Distanz, Höhenprofil, Pace (min, max, Schnitt), Geschwindigkeit (min, max, Schnitt), Zeit, Höhenprofil, Kalorienverbrauch, Pulsfrequenz nach vorher festgelegten Belastungsstufen unterteilt, zudem Wetterdaten und eine Karte der Strecke - wahlweise als Skizze oder Satellitenfoto mittels Google Maps Import.

Auch die immens schlaue Kappe der süddeutschen Firma O-Synce, die ich seit geraumer Zeit Zwecks Langzeittest in meinem Besitz habe und bereits zum Gegenstand einer ersten Beurteilung gemacht hatte, gestattet dem laufenden Vertreter des postmodernen Homo sapiens nicht nur dank ihres multipel belegbaren Displays eine gediegene Selbstquantifizierung; die zugehörige Software, die zum kostenfreien Download auf der Webseite des Unternehmens bereitsteht, ermöglicht zudem die Führung eines sportiven Diariums, oder weniger geschwollen: eines vollumfänglichen Lauftagebuchs, das sogar den Import von Bildern gestattet.

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Vor allem die Internet- und Social Media- Skeptiker, die überhaupt keine Lust dazu verspüren, sich bei einer der zahllosen Online-Communities für LäuferInnen anzumelden, werden angesichts dieses Programms frohlocken, denn Training-Lab bietet offline, was andere Hersteller nur in Verbindung mit einer Registrierung bei dem jeweiligen Online-Portal bieten. Online geht natürlich auch - ist aber kein Muss.

Vor allem die Möglichkeit eines Bilder-Upload wertet das Lauftagebuch ungemein auf. Was ich bislang noch nicht herausbekommen habe, ist, wie man die Höhenunterschiede ermittelt. Wäre es unmöglich, mit dem Sports-Visor Screeneye X und der zugehörigen Software Training-Lab diese Daten zu erheben, wären derlei Datenfelder - wie sie (siehe oben) Bestandteil jeder Tagesansicht des Trainingstagebuches sind, schlicht überflüssig.

Hier wird sicher von Herstellerseite ein Statement folgen.

Fürs Erste so viel als vorläufiges Fazit: Schnelle und einfache Datenübertragung (Kabel) in Richtung der kostenlos herunterladbaren Software. Letztere bietet nette Features, die sich von den Standards der Mitbewerber positiv abheben (vor allem als offline nutzbares Lauftagebuch mit Bilder-Import); wechselnde Ansichten, die einen differenzierten Überblick von Tag bis hin zum ganzen Jahr gestatten und jede Menge weiterer grafischer Gimmicks, die es dem ambitionierten Hobby-Renner erlauben, sich in toto in Quantität aufzulösen.

Da die Tage länger werden und auch für frühe Vögel genug Licht am Firmament zu finden ist, um das Display des Screeneye-X zu illuminieren, wird es nun noch sehr viel öfter heißen: „Liebes Tagebuch…“.

Auf und nieder … Nächstes Jahr wieder!

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Jedes Laufmagazin würde mich zum Deppen stempeln. Kein einziger Lauf über 22 Kilometer. Vier Wochen nicht trainiert wegen Virusgrippe und Antibiotika Einnahme. Frankfurt Marathon ausfallen lassen und dann - Bad Arolsen. Zu allem Überfluss hatte ich mich nicht einmal über das Streckenprofil informiert. 470 Höhenmeter und teils bis zu 18 Prozent Steigung…

Wer Bad Arolsen nicht kennt, sollte eine Erstberührung in Erwägung ziehen: Die kleine, einstige Garnisonsstadt hat nicht nur ein wunderschönes Barockschloss und eine der (zumindest an der Aufguss-Performance gemessen) besten Thermen Hessens zu bieten - sie wartet zudem mit gleich zwei Marathon Veranstaltungen auf. Mit einem solchen Pfund können nur wenige weit größere Städte wuchern.

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Nachdem wir am Vortag aufgrund einer für Ortsunkundige erbärmlich ausgeschilderten Umleitung gefühlte drei Jahre durchs Waldecker Hinterland gegurkt waren, trafen wir im Ferienpark Twistesee ein. Man sucht zwar (vor allem am Wochenende) eine Weile nach der richtigen Hütte, hat man sie jedoch gefunden ist alles traumhaft. Warm, gemütlich, geschmacksbefreite Kunstgegenstände aber gute Betten. In jedem Fall eine Empfehlung für alle Läufer, die von außerhalb kommend den Adventmarathon in Angriff nehmen wollen.

Dass die Organisation ungeachtet der prima specie provinziellen Anmutung und der winzigen Startgebühr Spitze war, offenbarte sich bereits bei der Abholung der Startnummern am Vorabend des Laufs. Eine gratis Kappe mit Leuchtstreifen, ein Adventskalender mit Knusperkugeln, warme Worte und mehr als ein Lächeln. Das höchst erfreuliche Gegenteil jeglicher Massenabfertigung, wie man sie von den Big-City-Marathons gewöhnt ist.

Nach einer nervösen Nacht ging ich es an. Eine Stunde vor dem fitteren Rest der Welt und mit dem sicheren Gefühl des Scheiterns - und genau diese Stärke, die Schwäche einzugestehen, gab mir Kraft. Dieser Blick für die Realität  - und die einfach tolle Orga. Ich habe selten derart liebevoll bestückte Verpflegungsstationen gesehen.

Nach der Begrüßung und der Streckeninfo des Veranstalters (inklusive dem Hinweis, dass es in den Wäldern, durch die wir laufen würden, vor Schwarzwild nur so wimmelte…) wurde die kleine Gruppe der Frühstarter gegen Viertel vor Zehn zur Startlinie auf dem Damm am Twistesee geführt. Laufkumpanin Anita, die nach Kopenhagen und Rothaarsteig (jeweils unter vier Stunden) auch hier mitlaufen würde (zur regulären Startzeit sollte es für sie losgehen) begleitete mich zusammen mit Frau und Kind und einer weiteren altgedienten Freundin der Familie. Es wurde laut gezählt - und wir waren unterwegs.

Entgegen meiner Befürchtung entzerrte sich die Gruppe bereits auf den ersten zwei Kilometern. Ich begann mein Tempo zu suchen und fand es. Die ersten Steigungen kamen bereits zwischen Kilometer drei und vier. Auf laubbestreuten Waldwegen ging es stetig bergan. Die erste  Verpflegungsstation kam schneller als gedacht und entgegen dem Hinweis an die Frühstarter, dass die Stationen erst gegen 11 bestückt sein würden, wartete der warme Zitronentee bereits auf uns. Die wenigen Querungen von Landstraßen wurden durch freundliche Polizisten zu einem gefahrlosen Unterfangen und tatsächlich waren auch ein paar Zuschauer zugegen, die uns anfeuerten. Das Wetter war ebenfalls ein Traum: kalt, aber trocken und etwa eineinhalb Stunden nach dem Start zeigte sich die Sonne und mit ihr der Herbstwald und die ursprüngliche Landschaft des Waldecker Landes in ihrer ganzen Schönheit. Auf einer langgezogenen bergab Passage - etwa bei Kilometer 14,5 erlebte ich das erste Stimmungshoch dieses Marathons. Gut, denn kurz hinter der nächsten Verpflegungsstation (Lebkuchen, Salziges, Schokoriegel, Bananen, Cola, warmer Tee, Wasser) im Tal kam der härteste Anstieg. Hier überholte mich dann auch der führende Lokalmatador mit der Startnummer eins. Klatschen meinerseits und ein „Hau rein!“ - „Du auch!“ Dialog - dann war die Begegnung vorbei. Nummer eins lief uneinholbar einer Top-Zeit deutlich unter drei Stunden entgegen: angesichts der Strecke eine grandiose Leistung. In schneller Folge zogen auf den nächsten Kilometern bis zur Halbdistanz das schnellste Drittel der rund 280 Starterinnen und Starter vorüber. Ich erlebte bei Kilometer 25 meine erste Krise - aber nicht wegen der Tatsache, dass alle schneller waren (das bin ich ja gewohnt). Vielmehr nervte es, dass die Ruhe vorbei war, die den ersten Teil meines ganz eigenen Adventmarathons so magisch gemacht hatte. Zudem stimmte das Gerücht, dass es ab Kilometer 26 eigentlich nur mehr bergab gehen sollte, nicht einmal im Ansatz.

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Da ich bei diesem Lauf aufgrund meiner mangelhaften Vorbereitung konsequent die Methode von Jeff Galloway befolgte (alle 1,5 Kilometer eine Minute zügig gehen), hatte ich keine Krämpfe und lief einfach weiter. Bei Kilometer 32 überholte mich Anita als bis dato Fünfte bei den Damen und bei Kilometer 34 warteten die Familie - und das Auto… Ich dachte jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht im Traum daran, an diesem Punkt abzubrechen, zumal es allem Anschein nach ab hier tatsächlich zu Tal in Richtung Twistesee gehen würde. Bei Kilometer 36 kamen die Stöpsel ins Ohr und mit Billy Talent und Volbeat kam das zweite Hochgefühl. Ich rannte durch bis zur letzten Verpflegungsstation und genoss es, wieder allein zu sein. Einzig die anfangs so schnell gelaufenen Kilometer um den See bis hin zum Ziel zogen sich endlos, doch hier war klar, dass auch globale Krämpfe das Finish nicht gefährden würden. Ein paar Minuten später hing das begehrte Blech am schweißverkrusteten Hals und es ging mit meiner kleinen Fangemeinde, zu der sich auch der Onkel meiner Frau aus Marburg gesellt hatte zum ersten, aber beileibe nicht letztem Glühwein des Tages in die Twistesee Sporthalle.

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Mein Fazit: Ein kleiner, feiner Lauf in wunderschöner Natur der sich in Sachen Organisation hinter manch großem Top-Event nicht verbergen muss. Vor allem in Sachen Verpflegung ließ der Adventmarathon keine Wünsche offen (sogar Lebkuchen gab‘s). Dazu das Erlebnis einer herzlichen, sportlich-familiären Atmosphäre. Auch wenn ich im kommenden Jahr aufgrund meines Attests einen Freifahrtschein für den BMW Frankfurt Marathon habe, werde ich mich wieder für Bad Arolsen anmelden. Schöner kann der Saisonausklang eigentlich nicht mehr werden.

Rücktritt und Neuwahl: Statt Frankfurt nun Bad Arolsen

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Wenige Entscheidungen fallen ähnlich schwer, wie der Rücktritt vom Start bei dem Marathon, auf den alle Anstrengungen des Lauftrainings, alle Equipment-Käufe und (teilweise ekligen) Supplement-Experimente in letzter Konsequenz gerichtet waren. Ich hatte unmittelbar nach dem Zieleinlauf im letzten Jahr und trotz des Medaillenfrusts das Ziel des dritten Finishs in der Festhalle gesteckt und dem Entschluss die frühestmögliche Anmeldung zum Frankfurt Marathon 2012 folgen lassen.

Und nun machte die Schwäche des in die Jahre gekommenen Leibes und seiner Infekt-Anfälligkeit dem Plan kurz vor seiner Realisierung den Garaus. Sch…e! Es macht nicht im geringsten Freude, sich den Lauf von der Couch aus zu betrachten, wenn man selbst frieren, leiden, hadern und schlussendlich feiern wollte. Schuld an der Krankheit und dem Rücktritt vom Lauf des Jahres war nicht etwa pure Unvernunft - halbnackt und trunken Tanzen während eines Hagelschauers oder so etwas in der Art. Schuld war wie immer der Nachwuchs.

Wer ein Kleinkind hat, das in eine Krippe geht, weiß, wovon ich rede: Die lieben Kleinen, deren Immunsystem in den ersten Jahren fleißiger und regelmäßiger trainiert als Papa in seinem ganzen Läuferleben sind die reinsten Seuchenvögel. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht einer der entzückenden Strolche neues, Elend bringendes Miasma aus seinen Poren und triefenden Nüstern entlässt und die ganze Krabbel-Gruppe lachend und krähend kontaminiert - die lieben Eltern eingeschlossen. Ach ich erlag - dem Ziel zum Greifen nahe - einer weiteren Sputum-Attacke. Folge: Fieber, Husten, Heiserkeit, Halsweh (leider kaum Appetitlosigkeit…).

Alle Läufer tun in einer solchen Situation das Gleiche: Sie durchforsten mit Ingrimm sämtliche Sportlerforen des Internets auf der Suche nach dem einen ausgewiesenen Experten, dessen Beitrag ihnen bescheinigt, dass es entgegen landläufiger Meinung gänzlich gefahrlos ist, mit angeschlagener Gesundheit 42,192 Kilometer durch kaltes Herbstwetter zu rennen. Auch ich habe gesucht - und nichts gefunden.

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Trail trifft Treppe: Laufen an Mallorcas Steilküste (Teil eins)

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Zugegebenermaßen beschränkt sich meine Erfahrung mit Läufen im Gelände bislang auf ebene Waldwege und gelegentliche Baustellen auf meinen Standardrouten - sofern man von vielen Kilometern im Schnee einmal absieht. Inspiriert und neugierig gemacht von zahlreichen Artikeln über Trailrunning im Allgemeinen und die Fotostrecken von Trails auf den Balearen im Speziellen war klar, dass ich den Familienurlaub auf Mallorca auch zum Sammeln von Erfahrungen im Geländelauf nutzen würde.

Von unserem niederländischen Gastgeber Johan, der seit zwölf Jahren seinen Hauptwohnsitz in unserem Ferienort Cala Pi (etwa dreißig Kilometer von der Hauptstadt Palma entfernt) hat, mit Routenvorschlägen versehen, startete ich bereits am Morgen des zweiten Tages zu einer ersten Schnuppertour. Meinem Ansinnen, schon um halb sechs in der Frühe loszurennen, begegnete unser Gastgeber mit entschiedener Ablehnung. „Da musst Du bisschen klettern. Mach das besser bei gutem Licht“. Klar, dass derartige Hinweise für eine gewisse Spannung sorgten.

Sonnenaufgang an Mallorcas Küste

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Charity and Victory

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Der Lauf für mehr Zeit 2012 ist gelaufen. In diesem Jahr das erste Mal über die doppelte Distanz von 10 Kilometern und mit der Möglichkeit exakter Zeitmessung über einen Chip - Achtung, Achtung: Fortschritt - auf der Startnummer (ein schmales, unscheinbares Plastikstreifchen Hochtechnologie).

In meiner Eigenschaft als Sponsorläufer konnte ich (Dank meines überschaubaren Talents als Bettelmann und Schnorrer) inklusive meines Startgeldes den überschaubaren Obulus von 100€ abliefern.

Weit wichtiger aber ist das Ergebnis - ich war unerwartet gut unterwegs. Ich fand es elend heiß. Ich fand es elend voll. Ich wurde 39. in meiner Altersklasse.

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Courses de Strasbourg

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Ein Betriebsausflug hatte mich und meinem Laufkumpan Martin B. in das wunderschöne, obgleich französische Elsass geführt. Genauer: in das touristisch grauenvoll überfrachtete Straßburg. In Erwartung der unheilvollen Dynamik, die jedem Betriebsausflug zumindest potentiell innewohnt - dem schrankenlosen Konsum von geistigen Getränken auf den Deckel der Firma - hatten wir uns die Laufschuhe und Trikots eingepackt. Wer morgens läuft, der maßvoll säuft. So die graue Theorie oder der gute Vorsatz.

Dass es zunächst den Anschein hatte, als würde es nur beim guten Vorsatz bleiben, lag an der ungemein guten Stimmung im KollegInnenkreis. Es flossen Bier und Wein in Strömen - unterbrochen von Runden des elsässer Grappa Analogons Marc de Gewürztraminer. "MackdeGewutz" schrien die faszinierend übellaunigen Kellner und schwangen die Flaschen. Wir schäbigen Boches ließen uns nicht lange bitten. Alle waren ausgelassen und geistvoll...und voll. Irgendwann war es gegen drei Uhr in der Nacht.

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Nordic Running

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Wenigstens einmal im Jahr empfiehlt sich eine Stippvisite in der alten Heimat und dabei auch auf den alten Laufstecken - die einstige Hausstrecke am Flensburger Hafen eingeschlossen. Auch wenn die illustre Rumstadt an der Förde eher selten in den Laufmagazinen als ideales Pflaster für Fußsportfreunde gepriesen wird, bietet Flensburg doch eine Menge Gelegenheiten zum Sightseeing in Laufschuhen.

Hier mein Vorschlag für eine erste Kennenlernrunde:

Startpunkt der etwa 10 Kilometer langen Schnuppertour ist der Flensburger Bahnhof - genauer der in unmittelbarer Nähe gelegene Carlisle-Park (benannte nach der Partnerstadt in der Grafschaft Cumbria).

Blick in den Carlisle Park Flensburg

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